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Einmal rund Mallorca...

oder die Entdeckung der Langsamkeit!

Samstag 6. September 2008.      

Lazy Life, eine Sunbeam 44, zerrt schon hektisch an ihren Leinen am Liegeplatz in der Marina Port de Mallorca in Palma. Sie will los! Die Crew auch: Hansi und Nick vom Bodensee und Hartwig aus Genf sind am Vorabend eingeflogen. Skipper Achim schon einen Tag vorher. Proviant und alle sonstigen Einkäufe sind verstaut, die Tanks voll und es kann

losgehen. Ziel eigentlich Menorca. Das Wetter passt aber so gar nicht zur Planung. Mistral im Golf von Lyon mit Windstärke 9-10Bf und Wellen über 3 m, die man spätestens nach Verlassen der Bucht von Palma auch in Mallorca zu spüren bekommt. Wir werden sehen.

Unser erstes Ziel ist Cabrera, das Naturschutzgebiet im Süden Mallorcas, 28 sm von Palma entfernt. Wir kommen gut voran, die Wellen sind etwas unangenehm, aber Lazy Life schluckt alles elegant weg. Um 17:30 Uhr steuern wir unsere Boje an und springen kurz danach ins glasklare Wasser. Viele bunte Fische knabbern am Schiffsrumpf und lassen sich von uns nicht stören. Diese ehemalige Piraten- und Sträflingsinsel ist jedesmal ein Highlight und sollte bei keiner Törnplanung im Programm fehlen. Man muss rechtzeitig eine Genehmigung einholen, denn nur maximal 50 Schiffe dürfen hier über Nacht bleiben und zwar ausschließlich an den Bojen. Ankern ist verboten zum Schutz der Natur. Die Farben der Bojen richten sich nach der Schiffsgröße. Der Naturhafen gilt als einer der sichersten im ganzen Mittelmeer und der Platz an der Boje ist sogar kostenlos. Wir haben vorsorglich zwei Nächte reserviert und freuen uns auf die bevorstehende Inselexpedition: Aufstieg zur Festung und anschließend ein frisch gezapftes Bier in der „Rangerkneipe“. Irgendwie hat alles die Atmosphäre einer Bucht in der Karibik, etwas Ursprüngliches: Es gibt keine Restaurants außer der Bierkneipe, keine Hotels, man kommt sich zurückversetzt in die Piratenzeit vor. Das Castel wurde aber erst später gebaut, um Piratenangriffe abzuwehren.

 Ein trauriges Kapitel hat Cabrera allerdings auch: Im Napoleonischen Krieg hatten die Spanier ca. 8000 französische Kriegsgefangene praktischerweise auf der Insel ausgesetzt. Nach einiger Zeit hatten die netten Mallorquiner dann einfach vergessen, Versorgungsschiffe mit Wasser und Nahrung zu schicken. Tragisch nur, dass es auf den kargen Inseln weder Wasser noch sonstige essbare Dinge gibt. An fast 6000 verhungerte und verdurstete Franzosen erinnert heute ein Denkmal auf der Insel. Wahrscheinlich der Grund warum ungewöhnlich viele Franzosen hier an der Boje liegen. Aber alle haben etwas zu Essen mitgebracht. Wir auch: Heute ist auf dem Speiseplan Spaghetti mit Curry Huhn und dazu ein spanischer Weißwein. 

Nach einem faulen Bojentag geht es weiter nach Porto Petro an der Süd-Ostseite von Mallorca. Eigentlich nur lockere 15sm, doch der Wind steht gegen an mit 5 Bf. und so werden 28sm daraus. Um 16:00 Uhr liegen wir an der Boje vor dem kleinen Hafen, der nur wenige Gastliegeplätze bietet und meistens ausgebucht ist. Auch hier in der Bucht ist Ankern verboten . Porto Petro gehört zum Projekt „Life Posidonia“- ein Umweltschutzprogramm zum Schutz der Seegraswiesen. Hier liegen 36 Bojen aus, die online mindestens 3 Tage vor Ankunft reserviert werden müssen. (www.balearslifeposidonia.eu) Bisher noch kostenlos. In der Anker (Bojen) Bucht ist das Wasser glasklar, man kann prima baden und unser Watermaker produziert fleißig Süßwasser. Porto Petro ist ein netter kleiner Ort mit vielen Restaurants und wir gehen am Abend lecker essen.

 Die Nacht wird unruhig, die Dünung haut voll rein. Am nächsten Morgen verlassen wir zeitig die Bucht. Der Wind kommt aus NE mit ca. 6Bf und die Wellen sind immer noch unangenehm hoch. Wir haben echt keine Lust gegen an zu kreuzen, sind noch gerädert von der schaukeligen Nacht und verholen daher die 8sm nach Portocolom unter Maschine. Hier ankern wir bei der östlichen Einfahrt. Es ist absolut ruhig und geschützt in diesem großen Naturhafen.

Der Ort ist beschaulich mit vielen Restaurants und allen Einkaufsmöglichkeiten. Weiter geht es am nächsten Tag nach Porto Cristo (schlappe 8sm) durch das Kreuzen werden daraus 15 sm. Wind immer noch ca. 6 Bf aus NE. Wir finden einen freien Platz im Stadthafen, wo man viel zentraler und deutlich günstiger liegt als im teuren Club Nautico gegenüber. Wenn die Ausflugsbusse um ca. 17:00 Uhr den Ort verlassen, ist Porto Cristo ein ruhiger, verträumter Ort mit netten Restaurants und Bars. Die 5 Tage Wetterprognose verheißt nichts gutes, ein neues Tief im Golf von Lyon mit 8-9 Bf aus NE, die natürlich auch Menorca treffen, und so beschließen wir beim letzten Absacker, Menorca sausen zu lassen und am nächsten Tag die Bucht von Alcudia anzusteuern. 33sm bei 5 Bf aus SW versprechen einen super Segeltag. Um 17:00 Uhr machen wir im neuen Hafen Colónia de Sant Pere an der Ostseite der Bucht von Alcudia fest. Ein verträumter Ort, wo der Hund begraben, der Hafen aber sicher ist. In der Nacht geht es los, die Brecher kommen sogar über die Hafenmole, Wind mit 7-8Bf aus NE, die ganze Bucht ein einziger Gischthaufen mit gigantischen Wellen. Wir bleiben noch einen weiteren Tag hier. Dann bekommen wir den Hafenkoller und müssen weiter. Immer noch hohe Wellen und ca. 6Bf, aber wir kommen gut voran. Unser Ziel Isla Formentor in der Bucht von Pollenca. Hinter der kleinen Insel liegt man sehr geschützt, das Wasser ist ruhig und klar, und auch hier sind Bojen ausgelegt. Es sind viele Bojen frei und so geht es auch ohne Reservierung. Und das ganze kostenlos. Hier bleiben wir faul zwei Tage liegen und genießen das Bordleben mit baden, lesen und nichts tun. Klasse. Die frischen Sachen gehen zu Ende und so machen wir den „Riesenschlag“ nach Port Pollenca (10sm) gehen in der Bahia Pollenca westlich vom Hafen vor Anker. Mit dem Dinghi geht’s auf Einkaufs- und Erkundungstour. Der ganze Ort wimmelt von Engländern, hektisch und laut geht es zu, insgesamt kein Ort zum verweilen. Wir bleiben die Nacht hier vor Anker, am nächsten Morgen wollen wir raus aus der Bucht und die Westseite Mallorcas ansteuern. Kaum haben wir die Nase aus der Bucht am Cap Formentor rausgestreckt, schläft der Wind ein, dafür steht eine immer noch hohe Dünung bzw. Welle, die uns hin und her schaukelt. Unter Maschine die bevorstehenden noch ca. 30 sm zu fahren, haben wir keine Lust, daher beschließen wir einstimmig, wieder an die Boje bei der Isla Formentor zu gehen. Herrliches Baden, Joggen und ein köstliches Essen entschädigen für den nervigen Segeltag. Am nächsten Morgen sieht die Welt ganz anders aus , wir haben idealen Wind aus SE und segeln die landschaftlich wunderschöne Strecke nach Port de Sóller an der Westküste entlang. Die Dünung steht zwar immer noch, aber wir kommen gut voran und legen um 17:30 Uhr nach 41sm im Gemeindehafen von Port de Sóller an. Über Funk haben wir uns angemeldet und siehe da, es war sogar ein Platz frei. Für 40 € kann man gar nicht meckern. Der Club Nautico neben dran nimmt das Doppelte. Seit der Verkehrsberuhigung und dem Umbau der Hafenzone ist der Ort ein richtiges Schmuckstück geworden mit netten Restaurants und Bars. Am nächsten Tag geht es 25sm weiter bis nach San Telmo, dem kleinen Fischerdorf vor der Insel Dragonera. Wir ankern auf 7m über Sand und schmeißen uns erst mal in das glasklare Wasser. Hier glaubt man in einem Aquarium zu schwimmen, so viele Fische tummeln sich hier.

Mit dem Dinghi geht es später an Land zum Einkaufen und Essen. Der Sonnenuntergang in San Telmo vor der Kulisse Dragoneras mit den kleinen Fischerbooten ist unbeschreiblich. Zahlreiche gute Restaurants stehen zur Auswahl und machen den Aufenthalt zu einem Highlight. Wir haben noch zwei Tage Zeit und so segeln wir am Freitag nach Santa Ponsa und legen uns in der weiträumigen Bucht nördlich von der Hafeneinfahrt vor Anker. Der Club Nautico ist einer der schönsten Häfen auf der Insel , aber leider immer ausgebucht. Auf ein Bier fahren wir trotzdem in den Hafen. Am Samstag nun heißt es zurück nach Palma, die letzten 20sm sind dann nochmal Segeln pur, so wie es sein sollte. Lazy Life rauscht mit 9kn in ihre Heimatbucht. Um 16:30 Uhr liegen wir dann wieder unversehrt und zufrieden in der Box.

Resümee: Einer der faulsten aber schönsten Törns, an den ich mich erinnern kann. Schlappe 260sm in zwei Wochen...es geht eben auch langsam und gemütlich!

 


 

kontakt@lazylife.info